Main-Post: Beleidigt und bedroht

Würzburg-Land (COP) FDP-Kreisvorsitzender Wolfgang Kuhl aus Erlabrunn ist im Zorn als Mitglied im Bezirksvorstand zurückgetreten. Menschliche Enttäuschung, persönliche Beleidigungen bis hin zu massiven Bedrohungen nennt Kuhl als Gründe.

„Im Bezirksvorstand wird man nicht mehr nach Leistung, sondern nur nach Gesellschaftsstand, akademischem Grad und Karriere beurteilt“, sagt Kuhl auf Anfrage der MAIN-POST. Dieses Verhalten des FDP-Bezirksvorstandes könne er nicht länger mit seinem Verständnis vom freiheitlichen Denken vereinbaren, so Kuhl weiter.

In einer Pressemitteilung schreibt er: „Man hat immer öfter den Eindruck, dass die Frauen und Männer von der Idee des Liberalismus schon längst Abstand genommen haben, im Funktionärssystem aber weiter funktionieren, nur um Karriere zu machen. Diese Kreise nehmen bewusst die Zerstörung von Orts- und Kreisverbänden der FDP in Kauf.“

Proteste

Doch wie kommt Kuhl zu diesem Eindruck? Jüngstes Beispiel sei der Neujahrsempfang der FDP-Kreisverbände in Erlabrunn am 9. Januar gewesen. Als Kuhl über diese Einladung mit dem Bezirksvorstand gesprochen habe, sei Protest laut geworden.

Nach Meinung Kuhls (Foto) hätte der Bezirksvorstand „lieber einen kleinen elitären Kreis von Akademikern ins Würzburger Bürgerspital eingeladen als 250 Gäste aus dem Landkreis in Erlabrunn“. FDP-Bezirksvorsitzender Joachim Spatz ist fassungslos. „Ich kann mir nicht erklären, wie er darauf kommt.“ Er bedauert Kuhls Rücktritt. „Vor wenigen Wochen habe ich mit ihm gesprochen und hatte das Gefühl, dass alles geklärt ist“, so Spatz. Offensichtlich nicht für Kuhl: Er erinnert an die Landtagswahl 2003. Damals habe ihm der Bezirksvorstand Steine in den Weg gelegt. „Weder finanziell noch ideell hat mich der Bezirksvorstand unterstützt.“

Bedroht

Als er sich als Zweitstimmenkandidat auf die Liste setzen lassen wollte, wurde ihm gesagt: „Sie haben kein Recht, als Zweitstimmenkandidat in den Landtag zu gehen.“ Spatz meint dazu, dass „viele Kollegen über Kuhls Alleingänge nicht glücklich gewesen sind.“ Kuhl indes spricht von massiven Bedrohungen: „Man sagte mir unvermittelt, dass bereits einer tot ist und ich durchaus der nächste sein kann.“

Kuhl klagt, dass auch seine Familie beleidigt wurde. In seiner Erklärung heißt es hierzu: „Da wird im kleinen wie im großen Kreis niederträchtig über die Ausbildung und den Lebenslauf anderer hergezogen, werden Ehefrauen herabgewürdigt und Leistungen anderer in Frage gestellt. Mit solchen Menschen, die einem ins Gesicht lachen und hinter dem Rücken zum nächsten Schlag ausholen, kann und will ich nicht länger an einem Tisch sitzen.“

Als Kreisvorsitzender engagiere er sich aber auch zukünftig, versichert Kuhl. Sein Nachfolger im FDP-Bezirksvorstand wird laut Spatz im Juni gewählt.


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