16. Juni 2012

Spessart nachhaltig erhalten und bewirtschaften

Der Spessart ist eine wichtige natürliche Lebensgrundlage für Mensch und Natur. Jahrhunderte lang existiert er in all seinen Facetten, in die der Mensch bisher immer behutsam, in Form der Holzwirtschaft, eingegriffen hat. Aktuell ist die Walddichte in Bayern die höchste seit über einhundert Jahren, mit steigender Tendenz.

Diesen positiven Zustand begrüßt die FDP Unterfranken ausdrücklich. Trotz der Bewirtschaftung importieren wir Holz. Der weltweite Bedarf nach nachwachsendem Rohstoff steigt kontinuierlich, auch durch die Energiewende. Neben dem Arten- und Bestandsschutz muss deshalb eine sinnvolle Bewirtschaftung, wie dies bisher auch der Fall ist, möglich sein. Der Waldumbau muss auch dem Klimawandel Rechnung tragen. Die FDP Unterfranken unterstützt die durch die bayerische Staatsregierung praktizierte Forstpolitik im Spessart. Die Vorgehensweise vermehrt Totholz liegenzulassen und kleineren Bereichen (z.B. der alten Buchenwälder) stillzulegen ist besser geeignet um dem Artschutz und den Interessensgruppen rund um die Erhaltung und Nutzung des Waldes gleichermaßen Rechnung zu tragen. Wir fordern jedoch aus Gründen der Transparenz und Planbarkeit die Bayerische Forstverwaltung auf, genaue Daten über Neupflanzungen und Ernten (Anzahl und Baumarten), wie dies im Waldbericht für Bayern aufgeführt wird, auch speziell für den Spessart zu veröffentlichen. Die Errichtung eines Nationalparks Spessart, wie auch die für ganz Bayern diskutierte Stilllegung von 10 \\% der Waldflächen, lehnen wir ab. Beides würde eine Nutzung des Spessarts unmöglich machen, ein Artensterben und die vollkommene Veränderung des seit dem Mittelalter kulturell und zivilisationshistorisch gewachsenen Waldes bedeuten. Unter dem Gesichtspunkt des Artenschutzes würde es eine Wandlung des Waldes hin zu einer reinen Buchenmonokultur bedeuten und den seit hunderten von Jahren gepflegten Eichenbestand mit vielen auf die Eiche spezialisierten Tier- und Pflanzenarten zerstören. Zudem birgt die Entwicklung einer großen Buchen-Monokultur Risiken für den Wald, da unter Aspekten des Klimawandels und der Schädlingsentwicklung eine Diversifizierung aus verschiedenen Laub- und Nadelbaumarten sinnvoll ist. Für die von der Holzwirtschaft lebenden Unternehmen und Menschen in der Region sind die Folgen der Einrichtung eines Nationalparks unverantwortbar. Holz- und Holznutzungsrechte drohen ausgehölt zu werden. Der Nationalpark soll laut einer Studie von Greenpeace 15.000 ha umfassen. Damit würden nach den Vorstellungen von Greenpeace 120.000 m³ weniger Holz zur Verfügung stehen. Damit droht nicht nur ein Engpass bei regionalem Feuerholz, sondern auch eine Gefährdung der Sägewerke in der Region. Das Sägewerk Pollmeier im Leiderer Hafen hat beispielsweise einen Jahresverbauch von bis zu 500.000 m³. Die Produkte der Holzindustrie erbringen einen passiven Beitrag zum Klimaschutz durch Energieeinsparung, denn es wird bei der Produktion von Holzgütern deutlich weniger CO2 freigesetzt, wie bei Stahl, Aluminium, Beton oder Kunststoffen. Zudem befindet sich im Leiderer Hafen die Bioenergie – ein Biomasseheizkraftwerk. Diese produziert durch das Verbrennen von regionalen Resthölzer Wärme und Strom also regenerative Energie. Die Resthölzer stammen entweder aus dem Spessart oder von bei Sägewerke verarbeiteten Hölzern aus der Region. Damit wäre auch die Bioenergie von einer Holzverknappung betroffen. Diese beiden Beispiele zeigen, wie mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Spessarts und den dort regional gewonnen Rohstoff Holz ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird. Sie zeigen aber auch, dass die Welt nicht schwarz-weiß ist. Die Forderung nach einem Nationalpark zeugt nicht zwingend von höherem Umweltbewusstsein oder der nachhaltigeren Lösung. Die FDP distanziert sich auch deshalb von Kampagnen, die in erster Linie nicht unserer Natur und Umwelt nutzen sollen, sondern der Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden dienen. Wir fordern alle, die auch weiterhin an einer nachhaltigen Entwicklung des Spessarts interessiert sind auf, im Dialog für die besten Lösungen zu streiten.

Karsten Klein


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